In der Volksabstimmung des Jahres 1978 hat sich die österreichische Bevölkerung gegen die Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung entschieden. In der Folge wurden daher weder das bereits fertiggestellte Kernkraftwerk Zwentendorf in Betrieb genommen noch weitere größere nukleare Anlagen errichtet.

Dennoch fällt in Österreich - wie in jedem hochentwickelten Industriestaat - radioaktiver Abfall an; dieser stammt im Wesentlichen aus zwei Abfallströmen:

  • Medizin, Industrie und Forschung
  • Dekommissionierung (Stilllegung und Rückbau) alter nuklearer Anlagen

Es handelt sich dabei – im Gegensetz zu hochradioaktivem Abfall, wie er beim Betrieb von Kernkraftwerken anfällt - nur um niedrig- und mittelradioaktiven Abfall mit vergleichsweise geringem "Gefährdungspotenzial" und in der Regel Halbwertszeiten von max. 30 Jahren.

Abfall aus der Medizin, Industrie und Forschung (MIF – Abfall)

Radioaktive Stoffe werden in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt, bei all diesen Anwendungen entsteht auch radioaktiver Abfall (in Österreich derzeit etwa 15-20t pro Jahr). Im Folgenden sind einige Beispiele für Abfallverursacher angeführt:

Beispiel für medizinischen radioaktiven Abfall

Medizin:

  • Medizinische Diagnostik
  • Laboruntersuchungen
  • Medizinische und pharmazeutische Forschung
  • Strahlentherapie

Es handelt sich zu einem großen Teil um brennbares Material wie Schutzhandschuhe, Spritzen, Verbandsmaterial, medizinisches Besteck, Probenmaterial, Fläschchen, etc.

Beispiel für industriellen radioaktiven Abfall

Industrie:

  • Strahlenquellen aus sicherheitsrelevanten Mess- und Steuereinrichtungen in Industrieanlagen (z.B. Messgeräte für Füllstand, Durchfluss, ...)
  • Strahlenquellen zur Qualitätssicherung (z.B. zum Durchstrahlen und Überprüfen von sicherheitsrelevanten Schweißnähten wie bei Fernwärmeleitungen, ...)
  • Ionisationsrauchmelder
  • Abfall aus Labortätigkeiten

Industrieller Abfall besteht einerseits aus umschlossenen Strahlenquellen, nicht brennbarem Abfall wie kontaminierten Anlagenteilen, aber auch brennbarem Abfall ähnlich jenem aus der Medizin.

 

Forschung:  

  • Wissenschaftliche Grundlagenforschung und angewandte Forschung

  • Medizinische, physikalische, chemische, biologische Forschung, …


Ein großer Teil des radioaktiven Abfalls aus der Forschung ist brennbar (analog zur Medizin z.B. Schutzkleidung, Reinigungsmaterial, Fläschchen, Chemikalien, Proben, …), es fällt aber auch nicht brennbarer Abfall wie beispielsweise kontaminierte Geräte oder Anlagenteile an.

 

 

Abfall aus Dekontaminierungs-, Dekommissionierungs- und Rückbauprojekten

Bei der Stilllegung und dem Rückbau nuklearer Forschungsanlagen fällt radioaktiver Abfall beispielsweise in Form von kontaminierten Anlagenteilen, Labor-Einrichtungsgegenständen, Bauschutt, etc. an. Da am Standort Seibersdorf vor allem in den 1960er bis 1980er Jahren intensive nukleare Forschungstätigkeiten stattfanden, sind umfangreiche Dekommissionierungsprojekte erforderlich. Als Beispiel sei hier der Rückbau des 10 MW Forschungsreaktors ASTRA genannt, der im Jahr 2006 abgeschlossen werden konnte.

Die jährliche Menge des anfallenden Rohabfalls schwankt dabei sehr stark. Durch entsprechende Dekontaminierungsprozesse kann das Volumen an verbleibendem radioaktivem Abfall jedoch teilweise deutlich verringert werden. Dekontaminierte Materialien und Gegenstände können nach Freimessung und behördlicher Freigabe wieder in den konventionellen Stoffkreislauf rückgeführt oder einer konventionellen Entsorgung zugeführt werden.

Beispiele für radioaktiven Abfall aus Dekommissionierungsprojekten in Seibersdorf:

Auch außerhalb des Standorts Seibersdorf fällt im Rahmen von Rückbauarbeiten und bei der Beseitigung von (teils historischen) Altlasten radioaktiver Abfall an.

Abfallmenge

In der folgenden Grafik wird der radioaktive Abfall der Jahre 2010 - 2017 nach den Verursachern Medizin, Industrie und Forschung sowie Abfall aus dem Rückbau von Anlagen getrennt dargestellt.

Radioaktiver Abfall der Jahre 2010-2017 nach Verursachergruppen

Aus den beiden angeführten Abfallströmen verbleiben derzeit nach dem Konditionierungsprozess (Verbringen in eine chemisch und physikalisch stabile Form und Einschluss in ein Gebinde) jährlich durchschnittlich etwa 200 Fässer mit radioaktivem Abfall übrig, die ins Transferlager für die längerfristige Zwischenlagerung verbracht werden.

Information zur Behandlung/Aufarbeitung von radioaktivem Abfall in Österreich.

Ende 2017 befinden sich im österreichischen Zwischenlager in Seibersdorf ca. 11.400 Gebinde mit radioaktivem Abfall (großteils 200 Liter Fässer).

Transferlagerung von konditioniertem, radioaktivem Abfall